Von den arabischen Ländern aus hat der Protest gegen die Herrschaftsstrukturen nun auch Europa erreicht. Vor allem in Spanien ruft die Jugend des Landes nach Veränderungen, nach mehr Demokratie. Allerdings noch ohne genaue Vorstellungen davon, wie das neue System aussehen soll. Dass die sogenannten Demokratien der Europäer und Nordamerikaner keine sind, ist ja jedem denkenden Menschen bewusst. Die tatsächliche Regierungsform ist eine Art Neofeudalismus, das Kapital regiert durch seine Berater und Lobbyisten. Mittlerweile schreiben diese Hintermänner sogar schon die Gesetzestexte selbst, während die Marionetten der gewählten Volksvertreter versuchen, das Volk für dumm zu verkaufen. Der Ruf nach mehr Demokratie ist aus der Sicht der Protestierenden betrachtet also durchaus berechtigt.
Doch ist mehr Demokratie wirklich besser als die gegenwärtige Politik?
Macht es Sinn das Mehrheitsprinzip in allen Bereichen des täglichen Miteinanders der Menschen zur Basis zu machen?
Die jetzt die Plätze Spaniens besetzt halten sind eine Minderheit und ob ihre Interessen bei Mehrheitsentscheidungen berücksichtigt werden darf bezweifelt werden. Wenn ich mir die Mehrheit hierzulande ansehe, bin ich mir absolut sicher, dass ich mich lieber von korrupten Politikern und Bankmanagern regieren lasse, als von der stumpfsinnigen Masse primitiver Rudeltiere, die billiges Benzin, mehr Urlaub und keine Fremden in der Nachbarschaft will. Echte Demokratie ist die Diktatur der Bildleser. Weder Vernunft noch Weitblick haben einen Platz in einer Volksregierung, wo alle Entscheidungen nach dem Mehrheitsprinzip gefällt werden.
Mir gefallen weder die momentan amtierenden Politiker noch ihre Taten. Doch ich habe genug Fantasie mir schlimmeres vorzustellen.
Eine Stunde Tretboot fahren,
dann zwei Runden Minigolf
und auch nicht beim Essen sparen.
Ich bin hungrig wie ein Wolf.
Nachmittags ins Schwimmbad gehen,
brutzeln, baden und zwei Bier.
Kurz mal nach der Uhrzeit sehen,
Mist, es ist schon fünf vor vier.
Kaffee trinken, zwei Stück Kuchen
ein Likörchen hinterher.
Schnell noch eine Rundfahrt buchen,
sonst gibt’s keine Plätze mehr.
Aufgetakelt auf die Piste,
fröhlich machen Bier und Wein.
Baggern steht nun auf der Liste,
im Urlaub schläft man nicht allein.
Leider hat man nur drei Wochen,
bald schon ist der Spaß vorbei
und erschöpft bis in die Knochen
ist der Aufbruch schwer wie Blei.
Schnell noch etwas Schönes kaufen,
mit Kredit kann man bezahlen.
Meine Zeit ist abgelaufen.
Mit soviel Urlaub kann man prahlen.
Gunther Sachs hat sich die Freiheit genommen Zeitpunkt und Art seines Todes selbst zu bestimmen. Ich will noch ein Weilchen weiterleben, doch die Nachricht von diesem Freitod hat mich dazu animiert endlich ein paar Worte über die Freiheitslüge aufzuschreiben, mit der Medien und Politiker das Volk so gern in die Irre führen.
Ich habe viele Jahre lang versucht die so oft propagierte Freiheit zu finden und immer nur Mauern und Grenzen entdeckt. Wo gibt es in Täuschland das freie Land, auf dem ich mir mit eigenen Händen ein Haus bauen, Radieschen pflanzen, nach eigenen Idealen leben kann? Warum darf ich mich ins Koma saufen, aber kein Haschisch rauchen? Warum darf ich nicht offiziell in einem Bauwagen leben, selbst gemachten Schmuck in der Fußgängerzone verkaufen oder nachts ins Schwimmbad gehen? Die Liste solcher Fragen lässt sich verlängern, die Antwort bleibt immer die gleiche. Wenn Politiker von Freiheit reden meinen sie nur die Freiheit andere ausbeuten und zur Lohnsklaverei zwingen zu dürfen.
Auf diese Freiheit kann ich verzichten.
Wo Locherkocher sich Rochen kochen,
in Nischen siechen wie Kriecherriecher,
kann Fischer sicher auf Tischen fischen.
Auf Zechenblechen steht Bechersprecher,
lässt Büchertücher mit Küchenflüchen
und Seuchenschläuchen wie Räuchersträucher
durch Köcherlöcher von Köchen löschen.
Doch Wachen lachen weil Krachermacher
bei Sucherflucher Eunuchen buchen.
Wenn Eichen laichen sindFleischer weicher.